Hier stelle ich Ihnen allmonatlich einen Text von mir vor.
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Interview zur Magie


 

 

Wie und wann haben Sie angefangen sich für Magie zu interessieren?

Schon in meiner Jugend war ich an metaphysischen Phänomenen interessiert. Damals sprach man noch überwiegend von PSI. Ich sah das ganze recht kritisch. Nicht zu unrecht, da die meisten okkulten, magischen Phänomene auf Täuschung und Selbsttäuschung beruhen. Durch meine Auseinandersetzung mit dem Okkulten verstärkte sich mein Interesse an der Magie, die ich einmal als schwarze Kunst (Bühnenmagie), zum anderen als psychologisches Wirken und nicht zuletzt als spirituelles Geschehen wahrnahm.

 

Finden Sie, dass man Magie in schwarze und weisse Magie unterteilen kann, oder finden Sie, dass Magie weder gut noch schlecht sein kann, sondern einfach nur Magie ist?

Das hat vor allem mit dem wörtlichen Verständnis zu tun. Solange man Magie als Verzauberung begreift, erscheint sie als eine uniforme Kraft, die einen Menschen in ihren Bann schlägt. Im Animismus, der Vorstellung von der Allbeseelung der Welt, ist dies zum Beispiel so. Als Kind lebt man in einer solchen Welt, sobald man verliebt ist, gewinnt man wieder eine Ahnung davon.

Begreift man Magie jedoch als Wirkung, beginnt man, die Art der Kraft zu unterscheiden, beziehungsweise können tatsächlich zwei unterschiedliche Kräfte aufscheinen. Dieserart Magie basiert auf Anrufung. Es wird die eine oder die andere Kraft beschworen, je nachdem welche Absicht unterstützt werden soll. Das Ritual ist der Rahmen für diese Anrufung beziehungsweise der Ort, der der angerufenen Kraft Dauer verleihen soll.

Auf einer niederen volkstümlichen Ebene teilt man weiße und schwarze Magie in Schutz- und Abwehrzauber sowie in Schadenszauber. Viele meinen, dass sie hierbei mit ein und derselben Kraft arbeiten, weil Sie das Ritual für den Zauber halten und dahinter eine einheitliche Kraft vermuten. Dem ist allerdings nicht so. Das Ritual ist nur der Prozess, durch den eine Kraft angerufen und gelenkt wird. Die Kraft, die Gutes, bewirken soll, unterscheidet sich jedoch in ihrer Qualität und somit auch in ihrer Art von der, die Schlechtes bewirken soll.

In einem höheren Verständnis geht es bei Magie nicht um volkstümliche Zauberhandlungen, mit denen man sich und sein Haus vor Bösem Schützen will, oder einem gemeinen Menschen, die Pest an den Hals zaubern möchte. Vielmehr geht es bei der „höheren Magie“ um Erkenntniswege.

Der eine ist der schwarze Weg. Er wird auch Goëtie (dämonische Anrufung) genannt. Er führt zur Selbstvergottung. Der Mensch will alle Kraft in sich erstehen lassen, so dass er zum Schöpfer und Herrscher seiner Welt und über sich selbst wird. Der Mensch will durch seine Magie die metaphysischen Kräfte vollkommen beherrschen. Er soll nicht mehr Spielball der Götter sein, sondern derjenige, der die Götter zu zwingen weiß.

Der andere Weg ist der Weg der weißen Magie. Er wird auch Theurgie genannt. Es ist der Weg, durch Selbsterkenntnis zur Gotteserkenntnis zu gelangen und hierdurch in einen Raum einzutreten, in dem magisches Wirken einen wie selbstverständlich umfasst. Man wird hier nicht zum Herrscher über die Götter, sondern zu einem Wesen, durch das die Götter wirken. Man ist in Gott.

Mit beiden Wegen befassten sich intensiv die Neuplatoniker, insbesondere Plotin (205 - 270).

Abschließend, teilt man Magie nach ihrem Gebrauch in Klassen, erhält man folgende Einteilung:
1. Volkstümliche Magie (Schutz- und Abwehrzauber, Schadenszauber)
2. Rituelle Magie (Religionen, Sekten)
3. Spirituelle Magie (Meditation, Kontemplation)

 

Wieso bezeichnen Sie die weisse Magie als "Theurgie"?

Theurgie bedeutet göttliches Handeln. Ich gehe davon aus, dass man nur im Einklang mit der Schöpferkraft ein vollkommenes Leben führen kann. Es ist also eine grundlegend religiöse Auffassung. Doch anders als in etablierten Religionen, die durch rituelle Gottesdienste und ein Leben nach Geboten, die Nähe zu Gott suchen, blicke ich auf mich, auf meine Verstellungen, Vorurteile und Nachlässigkeiten. Indem ich mich in meiner Welt zu verstehen und zu erkennen versuche, gelange ich zu jener Wirklichkeit, die mich ausmacht. Mein „Ich“ wird hierbei nebensächlich und mich erfasst und lebt eine himmlische Kraft; göttliches Wirken erhellt sich mir. Dies ist ein spirituelles Geschehen. Es ist Magie, die kein Ritual, sondern allein Aufmerksamkeit benötigt.

Die Neuplatoniker prägten einst den Begriff der Theurgie. Sie verstanden hierunter aber die Anrufung und somit auch die Beherrschung der Schöpferkraft. Ich meine, die Schöpferkraft erhellt sich einem nicht durch Anrufung, sondern nur durch Hinwendung.

 

Was interessiert Sie besonders an der Magie?

Die Selbstverzauberung und die Zauberkraft der Psyche. Ich sehe, wie wir Menschen uns eine Welt in unserem Kopf konstruieren und wie wir bemüht sind, dieses Konstrukt in andere Köpfe zu pflanzen, um uns auf diese Weise geistig „fortzupflanzen“. Ich sehe, wie wir Menschen hierfür beständig Rituale erfinden und durchführen. Dies ist eine erstaunliche Magie des Alltages, hinter der der magische Hokuspokus der volkstümlichen Magie verblasst. Diese subtile Form der Magie interessiert mich besonders.

Die andere, die schöpferische Magie erlebe ich; deswegen kann ich nicht sagen, sie interessiert mich, da ich ihr nicht erforschend oder beobachtend gegenüberstehe, sondern in ihr bin.

 

Hatten Sie schon irgendwelche bestimmte Ereignisse mit der Magie, an die Sie sich besonders gut erinnern?

Viele für Außenstehende womöglich erstaunliche Begebenheiten begleiten mich. Ich denke dabei an Ereignisse, die sich wie durch Wunder fügten oder an die Begegnung mit Menschen, die gerade im richtigen Moment, den Lauf der Dinge wesentlich veränderten.

Früher, als ich noch okkult zauberte, kam es zu Spukerscheinungen und ähnliche Seltsamkeiten. Ich hielt sie aber schon damals für belanglose Phänomene niederer Kräfte. Aus diesem Grund habe ich auch recht früh mit derlei Hokuspokus gebrochen. Er bringt nichts, außer ein wenig Gänsehaut und ein paar sensationelle Gefühle. Jedenfalls ist er banal und erkenntnislos. – Doch ich denke, durch diese Phase muss jeder durch, der sich den Dingen zwischen Himmel und Erde zuwenden möchte.

 

Wie viele magische Rituale haben Sie in etwa schon ausgeführt?

Mein Leben ist ein einziges magisches Ritual. In diesem Sinne schreibe ich auch öfters von der rituallosen Magie. Ist man im magischen Raum, ist alles Magie (oder heilig).

Konkrete Rituale, in dem Sinne, den Sie meinen, habe ich wenige durchgeführt. Vielleicht im Monat eins. Eins der liebsten magischen Rituale ist mir die Cabame, das Sternsingerritual an Heilig-Drei-König, wenn die Buchstaben C+M+B mit geweihter Kreide über oder an die Haustüre geschrieben werden.

 

Denken Sie, dass jeder Magie anwenden kann?

Ja. Insbesondere die alltägliche Magie, subtiler psychologischer Beeinflussung wendet jeder Mensch an. – Doch das meinten Sie wohl nicht mit Ihrer Frage.

Aber auch die praktische volkstümliche Magie wendet eigentlich jedermann an. Wenn Sie auf Holz klopfen, um ausgesprochene Befürchtungen abzuweisen, wenn Sie die Daumen drücken oder eine Kerze für den Geliebten aufstellen, all das ist ja schon Magie. Viele handeln das als Aberglauben ab, aber das ist nur eine Begrifflichkeit, die die Kirche prägte, um ihr eigenes magisches Geschäft abzugrenzen und zu überhöhen. – Wer weiß denn beispielsweise, dass die christliche Taufe in ihrem Kern ein Exorzismus ist?

Ja, jeder Mensch steht in derselben Welt, in der Kräfte wirken, die man anrufen kann. Jeder kann sie anrufen. Ob er sie letztlich auch beherrscht oder von ihnen beherrscht wird, steht auf einem anderen Blatt.

 

Für welche Situation würden Sie es empfehlen, Magie zu benutzen?

Grundsätzlich meine ich, wenn man in einem magischen Raum lebt, erübrigt sich die konkrete Anwendung von Magie. Darüberhinaus halte ich magische Rituale, um sein Haus vor schlechten Kräften zu schützen, oder um Kraft für eine Prüfung oder ein wichtiges Gespräch zu schöpfen für sinnvoll. Auch um vitale Energie für eine Heilung zu beschwören halte ich Magie als unterstützende Maßnahme zu einer medizinischen Behandlung für nützlich. Ebenfalls meine ich, dass ein Versöhnungsritual oft hilfreich ist, um mit anderen Menschen auszukommen. Klären, Kraft schöpfen, Harmonie finden, dafür ist Magie ein gutes Mittel, schließlich wirken die Rituale auf unsere Psyche, und die ist es, die emotionale Farbe in unsere Welt trägt und sie somit grundlegend gestaltet.

 

Sie haben bestimmt schon einmal die Magie für sich selber ausprobiert. Für welche Situation haben Sie sie benutzt?

Wie schon erwähnt, nütze ich Magie, um meine Umgebung von schlechten Energien zu reinigen. Ansonsten gebrauche ich sie vor allem für mir nahestehende Menschen; denn deren Wohlergehen, ist auch mein Wohlergehen.

So habe ich beispielshalber in drei Fällen sterbenskranken Menschen Kraft geschickt, damit sie ihre Krise überwinden und ins Leben zurückkehren konnten. Einmal verhalf ich meiner Enkelin, durch ein Ritual zu einem Schulplatz in einer besonderen Schule. Es war kein Platz mehr frei, und die Warteliste lang. Nach dem Ritual wurde ein Platz frei und meine Enkelin bevorzugt.

Konkret für mich selbst nütze ich die Magie eigentlich nicht, denn da ich ein Leben in einer magischen Sphäre lebe, fügen sich die Dinge wie von selbst. Jedenfalls sehe ich keinen Grund, durch bestimmte magische Manipulationen irgendwelche Gewichtungen zu verschieben.

 

Haben Sie ein "Lieblingstritual"?

Ja, ein Ritual, das ich regelmäßig durchführe, ist die Kundalini-Mudra. Es handelt sich hierbei um eine Meditation, durch die die Chakrenkraft harmonisiert und die Sensibilität erhöht wird.

Außerdem pflege ich das Ritual der Achtsamkeit. Das heißt aufmerksam in die Welt blicken und sehen was ist und nicht versuchen, das sehen zu wollen, was sein sollte.